Verantwortung.
Verantwortung ist ein Wort & ein Thema, das bei den Wenigsten Freude auslöst. Es erinnert an Pflicht & alle Dinge, die wir eigentlich nicht wollen… die wir aber - auch als eine Art notwendiges Übel & Folge unserer körperlichen Existenz - zu tragen gelernt haben. Oder eben verweigern.
Damit ist Verantwortung im Verstehen & Erleben oft gekoppelt an Schuld & Strafe, die sich automatisch einstellt, wenn unsere Existenz als belastend für andere gespiegelt wurde oder wird. Sogar ohne dass wir das bewusst haben, denn wo Gefühle wie Schuld & Scham auftauchen, biegen wir im konditionierten Dissoziationsmodus automatisiert & daher völlig unbewusst ab. Wir sind dann einfach nicht zuhause. An mir selbst bemerke ich, dass je mehr ich mit all meinen Teilen wieder bei mir bin, desto mehr fällt mir auf, was für eine krasse Enteignung mit dem Thema „Verantwortung“ (& nicht nur mit diesem) da stattgefunden hat & noch immer stattfindet.
Die Enteignung beginnt damit, dass wir als erstes lernen, die Erwartungen & Rollen zu erfüllen, die unsere Familie an uns hat. Bereits dort lernen wir, wie erwünschtes Verhalten auszusehen hat & wie & in welchem Umfang wir unsere eigenen Bedürfnisse & Impulse zu unterdrücken haben, um die lebensnotwendige Verbindung aufrechtzuerhalten.
Das setzt sich so fort in Schule, Ausbildung & Arbeit. In den letzten hundert Jahren kam außerdem zunehmend eine politische Verantwortung hinzu sowie in den letzten Jahrzehnten die globale Verantwortung für Umwelt, Ressourcen & Klima.
Den Wenigsten fällt dabei diese schleichende Enteignung auf, die ab dem Moment beginnt, ab dem auch diese Abspaltung beginnt, weil wir nirgends wirklich DA sein können & dürfen… wo es gar nicht um unsere ureigenen Bedürfnisse & Belange geht. Sondern immer nur darum, was wir zu leisten haben. Was „man“ von uns erwarten kann. Und das ist inzwischen eine ganze Menge.
Die physische Enteignung, die jetzt stattfindet & langsam sichtbar wird im Außen, ist lediglich das, was wir kollektiv kreieren, weil wir nicht verstehen, was da geschieht. Weil wir die Zusammenhänge nicht erkennen. Und wir verstehen & erkennen es deshalb nicht, weil wir nicht begreifen, wer wir sind & wie Realität entsteht. Sich danach zu orientieren, was es aus einem selbst will, gilt als egoistisch. Und es wird sehr hart an einem gesellschaftlichen Verständnis gearbeitet, in dem Besitz & Eigentum egoistisch sein werden.
Unsere Bedürfnisse sind inzwischen übrigens genauso enteignet. Sie befriedigen sich hauptsächlich über Konsum. Konsum von Dingen, Medien, Informationen, Manpower, Ressourcen, Anerkennung, Sex, Menschen & Verbindung. Nach „ich brauche & du hast“. Angebot & Nachfrage. Die Mehrheit hat völlig vergessen, was ein Bedürfnis ursprünglich war… wie es sich anfühlt, es wahrzunehmen & sich (als Erwachsener) dann liebevoll & achtsam darum zu kümmern.
Wir haben verlernt, um Hilfe & Nähe zu bitten oder um unser Bedürfnis nach Alleinsein, nach Gesehenwerden, nach Kontakt zu kommunizieren. Kannst du bitte einen Moment da sein? Kannst du jetzt da bleiben? Kannst du mich bitte mal fest umarmen? Mir den Raum halten & mein Zeuge sein für das, was in mir passiert? Kannst du mir bitte gerade den Raum geben, nicht antworten zu müssen… nicht zur Verfügung zu stehen… mich gerade nur um mich zu kümmern?
Oder Indivudualität. Ihr erging es genauso.
Individualität ist ausschließlich zu etwas mutiert, dass ich als Mensch dieser Zeit auszudrücken habe über meinen Lifestyle… meine Kleidung… meine Besitz… meine sexuelle Identität… meine Bildung… meinen gesellschaftlichen Status… wie gut ich erfülle… wieviel ich leiste… wie toll mein Humor ist & wie dick meine Brieftasche etc. pp. Individualität ist komplett nach außen verlagert. Deshalb erzeugt all das Suchen nach sich selbst auch Sucht.
Millionen Coaches & Trainer leben davon. Innen sind wir entfremdet & enteignet von uns selbst & von dem, was wir ursprünglich sind… halten das für „normal“ & bleiben es deshalb, weil es kein „Wie ich in 3 Tagen alles erreiche, was ich will“-Training braucht, sondern das tiefste, alles abverlangende Commitment, das es gibt. Es ist im Grunde sehr einfach. Nicht leicht zu leben, aber einfach: Wenn wir ALLES wollen, haben wir ALLES von uns einzubringen. Dieses ALLES zu geben. Invest YOURSELF first. Deine Bereitschaft. Deine Hingabe. Deine Offenheit. Deinen Mut. Erst DANN lohnt sich das Investment von Ressourcen… Zeit… Geld… Aufmerksamkeit… Energie in jeder Form.
Ver-Antwort-ung ist die Fähigkeit, zu antworten.
Und zwar UNSERE ureigene Antwort.
Alle anderen (erwarteten & konditionierten) Antworten können wir in Wahrheit gar nicht geben!
Es ist die Antwort anderer. Eine enteignete… fremde… abgeforderte, automatisierte & erpresste Antwort, bei der wir noch nie vorgekommen sind. Eine, von der wir gelernt haben, sie zu geben, damit wir uns endlich richtig fühlen. Und - nur, falls Euch das noch nicht aufgefallen ist - ganz VIELES, was wir an gesellschaftlicher Vorgabe bekommen, sorgt dafür, dass wir uns falsch fühlen. Mediale Bilder darüber, wie „schöne“ Menschen auszusehen haben… welche Interessen sie haben… wie sie leben wollen… wann es gut genug ist etc. Denn nur so können Menschen dazu gebracht werden, Dinge zu tun, die nicht ihren Interessen entsprechen.
Und damit ist das übliche Verständnis von Verantwortung eine unfreiwillige Antwort, die vorspiegelt, unseren Interessen zu dienen, es aber nicht tut. Sie dient immer denen, die besser zu wissen glauben als wir, was gut & richtig für uns ist. Erst unsere Eltern. Dann eine Gesellschaft & ein Staat.
Das kann in Szenarien münden, wie wir sie aus den letzten Jahren kennen: dass individuelle Freiheit & Hoheit über den eigenen Körper aufzugeben gefordert werden & durchgesetzt werden konnte zum (angeblichen) Interesse aller. Alles andere war egoistisch, unsozial & auszusondern als Feind, der gegen ALLE ist & der nicht den kollektiven Interessen dient. Mehr sozialer Druck & Erpressung geht gar nicht.
Wir werden ideologisch „verschwarmt“ & millionenfach um ALLES Eigene enteignet & kaum einer merkts. Vor allem werden wir um die Fähigkeit enteignet, unsere eigene individuelle Realität zu erschaffen. Daran ist SEHR lange gearbeitet worden… länger, als die meisten von uns leben. Und weil niemand wirklich Wesentliches über sich selbst lernt, bleibt das auch so gut verborgen. Wir können inzwischen zwar lesen & schreiben, aber wir sind schöpferische Analphabeten.
Ein Kind muss nicht erzogen werden. Es muss beschützt werden, denn wenn es kommt, ist es das liebevollste, kreativste & sozialste Geschöpf der Welt… mit einem natürlichen Interesse, sich einzubringen & positiv zu gestalten. Dafür zu sorgen, dass das so bleibt & es sich FREI & ohne Vorgabe orientieren kann, genügt völlig, um sich selbst zu gehören & sich zu einem verantwortungsvollen Erwachsenen zu entwickeln, der sein Feld, seine Familie, seine Interessen & seine Umwelt schützt & unterstützt.
Diese tiefe persönliche Enteignung ist der Grund, warum wir sie nicht geben WOLLEN, die Verantwortung. Oder nur, wenn wir ganz fest davon überzeugt werden konnten, dass wir böse & falsch sind… & es darum genau SO richtig ist & gehört.
Wenn wir gar nicht darauf kommen, das zu hinterfragen.
Wenn wir uns ganz weggenommen wurden & sowohl diese Tatsache, als auch die Erinnerung an uns selbst mit so viel Scham & Schuld behaftet wurde, dass wir eher über Leichen gehen, als uns DAS eingestehen… weil nicht sein kann, was nicht sein darf… weil DIESES Daneben so ungeheuerlich wäre, dass Jahrzehnte des Selbstbetrugs einzugestehen wären…
Diese Verweigerung von Verantwortung ist zutiefst berechtigt.
Und im Regelfall meint jeder, der sie von uns abfordert auch nicht UNSERE Ver-Antwort-ung, sondern unsere Erfüllung dessen, was erwartet wird. Macht aber nur Sinn, wenn wir begreifen, was da passiert. Dieses Begreifen… dieses Wissen… macht frei.
Wenn wir unsere Gesundheit, unsere Gefühle & Bedürfnisse, unseren Lebensunterhalt oder unsere Lebensumstände nicht verantworten wollen oder können - denn die Dinge werden symptomatisch, machen krank & verzerren unseren Geist - dann, weil wir nachhaltig gelernt haben, wer & was wir nicht sein dürfen! Und das in einer äußerst existenziellen Tiefe. Sich dieser Tiefe wieder zu nähern, macht auch existenzielle Angst. Aber es ist der einzige Weg zurück dorthin, wo wir UNSERE Antwort finden. Und dafür ist jetzt höchste Zeit!
Und UNSERE Antwort geben wir mit Freude!
Denn UNSER ganzes Wesen ist da drin! Alles, was wir sind & wollen…
Diese Ver-Antwort-ung ist ein JA MAN… ICH BIN HIER & DIE, DIE ICH BIN… DER, DER ICH BIN! Ist DAS nicht wunder-voll? Und ich habe diese Fähigkeit… diesen Segen als Beitrag mitgebracht. Er muss nicht künstlich gesucht werden, was ich zu geben habe. Was Du zu geben hast. Wir haben es von Anfang an mitgebracht! Das ist mein & Dein Teil fürs Ganze! Meine & Deine Stimme im Chor der Schöpfung! Meine & Deine Arbeit zum Gelingen! Es erfüllt mich perfekt! Und Dich auch.
Es dient allen perfekt!
Ein Kompromiss ist nicht notwendig.
Und hat vollkommene Fülle zur Folge!
Es ist MEIN & DEIN Platz… von Beginn der Schöpfung an… MEIN & DEIN PLATZ!
Und DEN verantworte ich voller Leidenschaft & Hingabe
Du auch 
Denn es ist mein & Dein göttlicher Ausdruck.
Auf mich ist nicht zu verzichten. Du fehlst, wenn Du nicht da bist.
Wir stellen uns zur Verfügung, das zu sein, wofür wir hier sind.
DAS ist unsere ursprüngliche indigene intrinsische freiwillige freudige Antwort!
Ich gebe von zuhause aus.
Von MEINEM Land.
Genau wie Du.
Die Bedeutung… die Deutung… der Inhalt… die Interpretation der Worte & unserer Sprache ist ebenfalls in vielen Teilen ein enteignetes Land. Wir haben ALLES das zurückzuführen, zu integrieren, zu versorgen & bewusst zu begrüßen & zu beheimaten, was Entfremdet wurde
Und das ist kein Job, der in der Fremde zu tun wäre. Im Außen.
Da kämmen wir lediglich den Spiegelbildern die Haare.
Das Außen folgt - zwangsläufig - dem Inneren.
Dem, was wir glauben.
Denn wir sind Schöpferwesen.
Wir kreieren bereits Universen, wenn wir denken & deuten, noch bevor eine Handlung oder bewusste Entscheidung zur Welt gekommen ist.
Verantwortung bedeutet eben NICHT, die Erwartungen an uns zu erfüllen.
Sie darf ihren ureigenen Wort-Sinn zurücknehmen… sich zurück erlauben…
Das ist für sehr lange alles, was es gerade braucht.
Denn wir können den Rest der Welt nicht verantworten.
Nur uns selbst.