Freitag, 17. Mai 2024

Die Welt ist so komisch

Das man entweder 

keine Fragen mehr stellt

oder nur noch Fragen stellt



Sie liegen

Sie sitzen

Sie gehen

Sie reden

oder sprechen nichts


Die anderen beobachten

dokumentieren, diagnostizieren

und geben Medikamente und Tee aus

mit gewichtiger Miene hinter Panzerglas


manchmal ein Alarm

oder ein Schrei, ein Streit

Etwas geht zu Bruch

Pfleger rennen (ganz in ihrem Element)


manchmal eine Fixierung

wie nebenbei

manchmal ein Mensch, außenrum Polizei

Alles passiert so dahin

Das keiner mehr Fragen stellt



(V.P. 2022)

Mittwoch, 15. Mai 2024

Ich bin unsagbar müde

In die Welt verteilt

Und ich weiss und ich weiss

Das ich nichts weiss


In meiner stillen Verzweiflung

- printed by the moon


Hat der Schluss

In das Verwobene

erst recht

Den Strich gezogen

Das Zeichen gesetzt


Und sind die Segel gesetzt

Ich bleibe hier

An meiner offenen Hand

Und schlucke das Wasser

solange ich kann


Weil ich geh unter

Weil es zieht mich herunter


Ich suche die Sonne

In meiner Verwirrung

Als atme ich den Himmel mit


Nur hier am Grund

muss etwas sein

- nein ich muss an die Sonne

Welche Segel sind gesetzt?

Ich muss ich muss


Und weiss nicht mehr

Als Wasser

In meinen Lungen


und weiss und weiss nicht mehr


Freitag, 10. Mai 2024

Die Blinde (Rilke)




DER FREMDE:
Du bist nicht bang, davon zu sprechen?

DIE BLINDE:
Nein.
Es ist so ferne. Das war eine andre.
Die damals sah, die laut und schauend lebte,
die starb.

DER FREMDE:
Und hatte einen schweren Tod?

DIE BLINDE:
Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen.
Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt.

DER FREMDE:
Sie war dir fremd?

DIE BLINDE:
- Oder: sie ists geworden.
Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter. -
Doch es war schrecklich in den ersten Tagen.
Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt,
die in den Dingen blüht und reift,
war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen,
mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag
wie aufgewühlte Erde offen da und trank
den kalten Regen meiner Tränen,
der aus den toten Augen unaufhörlich
und leise strömte, wie aus leeren Himmeln,
wenn Gott gestorben ist, die Wolken lallen.
und mein Gehör war groß und allem offen.
Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind:
die Zeit, die über meine Haare floß,
die Stille, die in zarten Gläsern klang, -
und fühlte: nah bei meinen Händen ging
der Atem einer großen weißen Rose.
Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht
und glaubte einen hellen Streif zu sehn,
der wachsen würde wie ein Tag;
und glaubte auf den Morgen zuzugehn,
der längst in meinen Händen lag.
Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer
hinunterfiel vom dunklen Gesicht,
der Mutter rief ich: »Du, komm her!
Mach Licht!«
Und horchte. Lange, lange blieb es still,
und meine Kissen fühlte ich versteinen, -
dann wars, als säh ich etwas scheinen:
das war der Mutter wehes Weinen,
an das ich nicht mehr denken will.
Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum:
Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum
mir vom Gesicht und von der Brust.
Du mußt ihn heben, hochheben,
mußt ihn wieder den Sternen geben;
ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir.
Aber sprech ich zu dir, Mutter?
Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter?
Wer ist denn hinter dem Vorhang? - Winter?
Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag!
Oder: Tag?.......Tag!
Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein?
Fehl ich denn nirgends?
Fragt denn niemand nach mir?
Sind wir denn ganz vergessen?
Wir?.......Aber du bist ja dort;
du hast ja noch alles, nicht?
Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht,
ihm wohlzutun.
Wenn deine Augen ruhn
und wenn sie noch so müd waren,
sie können wieder steigen.
... Meine schweigen.
Meine Blumen werden die Farbe verlieren.
Meine Spiegel werden zufrieren.
In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen.
Meine Vögel werden in den Gassen
herumflattern und sich an fremden Fenstern
verwunden.
Nichts ist mehr mit mir verbunden.
Ich bin von allem verlassen. -
Ich bin eine Insel.

DER FREMDE:
Und ich bin über das Meer gekommen.

DIE BLINDE:
Wie? Auf die Insel?... Hergekommen?

DER FREMDE:
Ich bin noch im Kahne.
Ich habe ihn leise angelegt -
an dich. Er ist bewegt:
seine Fahne weht landein.

DIE BLINDE:
Ich bin eine Insel und allein.
Ich bin reich. -
Zuerst, als die alten Wege noch waren
in meinen Nerven, ausgefahren
von vielem Gebrauch:
da litt ich auch.
Alles ging mir aus dem Herzen fort,
ich wußte erst nicht wohin;
aber dann fand ich sie alle dort,
alle Gefühle, das, was ich bin,
stand versammelt und drängte und schrie
an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten.
Alle meine verführten Gefühle...
Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen,
aber ich weiß von den Wochen,
da sie alle zurückkamen gebrochen
und niemanden erkannten.

Dann wuchs der Weg zu den Augen zu.
Ich weiß ihn nicht mehr.
Jetzt geht alles in mir umher,
sicher und sorglos; wie Genesende
gehn die Gefühle, genießend das Gehn,
durch meines Leibes dunkles Haus.
Einige sind Lesende
über Erinnerungen;
aber die jungen
sehn alle hinaus.
Denn wo sie hintreten an meinen Rand,
ist mein Gewand von Glas.
Meine Stirne sieht, meine Hand las
Gedichte in anderen Händen.
Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt,
meine Stimme nimmt jeder Vogel mit
aus den täglichen Wänden.
Ich muß nichts mehr entbehren jetzt,
alle Farben sind übersetzt
in Geräusch und Geruch.
Und sie klingen unendlich schön
als Töne.
Was soll mir ein Buch?
In den Bäumen blättert der Wind;
und ich weiß, was dorten für Worte sind,
und wiederhole sie manchmal leis.
Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht,
findet meine Augen nicht.....

DER FREMDE leise:
Ich weiß.

Ich mache meinen Frieden mit dir, Mensch

Der du Produkt bist eines Zweiten

Ich mache meinen Frieden mit dir

der du atmend unter blauen Himmel

den Himmel nicht siehst und den Atem nicht spürst


Der du dem Impuls nicht folgst

Der aus deinem Inneren kommt

Weil du nicht darfst und weil du nicht sollst


Wie lange noch...

warten wir ein Leben unter fremder Sonne

Das wir nie uns selber werden


Und warten und warten - den Tod?


Wir harren und fremd erscheint es mir

Sie sagen ich wär es, die stört


Und ich stör so gerne

Was ich soll und muss

Und die Etiketten 

Und deine Konzepte über richtig und falsch

Und stell alle auf den Kopf


Weil ich nicht warten will eh ich sterb

Sterb ich doch jeden Tag

Aber nicht hinweg, nur zu mir hin


"Gott du lässt die Dinge passieren wie sie sind"

"Ja, und ich halte sie dabei"

Donnerstag, 9. Mai 2024

Mich hat die Liebe getroffen, erreicht

Ich liege aufgeweicht in einem Tränenmeer

Es flutet mich

Und ich lass alles hinein

Es gibt keinen Halt, kein Verstecken und keine Vermeidung

Alles ist offen

Und alles kommt hinein

Und wogt weich und warm

In meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele

Bis es mein Herz erreicht

Und sich darauf legt und zur Ruhe kommt

Wie ein anschmiegsamer Hund der die Nähe sucht


...

mich hat die Liebe erreicht

meine Schalte ist aufgeweicht

sie dringt in alles ein

und bleibt mit mir allein

sie ist teil meines Daseins

und ich habe sie willkommen geheißen

 

Gysi über Alice Weidel

  Kognitive Dissonanz oder besonderer Humor 😂