Die Welt ist so komisch
Das man entweder
keine Fragen mehr stellt
oder nur noch Fragen stellt
Sie liegen
Sie sitzen
Sie gehen
Sie reden
oder sprechen nichts
Die anderen beobachten
dokumentieren, diagnostizieren
und geben Medikamente und Tee aus
mit gewichtiger Miene hinter Panzerglas
manchmal ein Alarm
oder ein Schrei, ein Streit
Etwas geht zu Bruch
Pfleger rennen (ganz in ihrem Element)
manchmal eine Fixierung
wie nebenbei
manchmal ein Mensch, außenrum Polizei
Alles passiert so dahin
Das keiner mehr Fragen stellt
(V.P. 2022)
Ich bin unsagbar müde
In die Welt verteilt
Und ich weiss und ich weiss
Das ich nichts weiss
In meiner stillen Verzweiflung
- printed by the moon
Hat der Schluss
In das Verwobene
erst recht
Den Strich gezogen
Das Zeichen gesetzt
Und sind die Segel gesetzt
Ich bleibe hier
An meiner offenen Hand
Und schlucke das Wasser
solange ich kann
Weil ich geh unter
Weil es zieht mich herunter
Ich suche die Sonne
In meiner Verwirrung
Als atme ich den Himmel mit
Nur hier am Grund
muss etwas sein
- nein ich muss an die Sonne
Welche Segel sind gesetzt?
Ich muss ich muss
Und weiss nicht mehr
Als Wasser
In meinen Lungen
und weiss und weiss nicht mehr
DER FREMDE:
Du bist nicht bang, davon zu sprechen?
DIE BLINDE:
Nein.
Es ist so ferne. Das war eine andre.
Die damals sah, die laut und schauend lebte,
die starb.
DER FREMDE:
Und hatte einen schweren Tod?
DIE BLINDE:
Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen.
Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt.
DER FREMDE:
Sie war dir fremd?
DIE BLINDE:
- Oder: sie ists geworden.
Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter. -
Doch es war schrecklich in den ersten Tagen.
Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt,
die in den Dingen blüht und reift,
war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen,
mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag
wie aufgewühlte Erde offen da und trank
den kalten Regen meiner Tränen,
der aus den toten Augen unaufhörlich
und leise strömte, wie aus leeren Himmeln,
wenn Gott gestorben ist, die Wolken lallen.
und mein Gehör war groß und allem offen.
Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind:
die Zeit, die über meine Haare floß,
die Stille, die in zarten Gläsern klang, -
und fühlte: nah bei meinen Händen ging
der Atem einer großen weißen Rose.
Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht
und glaubte einen hellen Streif zu sehn,
der wachsen würde wie ein Tag;
und glaubte auf den Morgen zuzugehn,
der längst in meinen Händen lag.
Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer
hinunterfiel vom dunklen Gesicht,
der Mutter rief ich: »Du, komm her!
Mach Licht!«
Und horchte. Lange, lange blieb es still,
und meine Kissen fühlte ich versteinen, -
dann wars, als säh ich etwas scheinen:
das war der Mutter wehes Weinen,
an das ich nicht mehr denken will.
Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum:
Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum
mir vom Gesicht und von der Brust.
Du mußt ihn heben, hochheben,
mußt ihn wieder den Sternen geben;
ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir.
Aber sprech ich zu dir, Mutter?
Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter?
Wer ist denn hinter dem Vorhang? - Winter?
Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag!
Oder: Tag?.......Tag!
Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein?
Fehl ich denn nirgends?
Fragt denn niemand nach mir?
Sind wir denn ganz vergessen?
Wir?.......Aber du bist ja dort;
du hast ja noch alles, nicht?
Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht,
ihm wohlzutun.
Wenn deine Augen ruhn
und wenn sie noch so müd waren,
sie können wieder steigen.
... Meine schweigen.
Meine Blumen werden die Farbe verlieren.
Meine Spiegel werden zufrieren.
In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen.
Meine Vögel werden in den Gassen
herumflattern und sich an fremden Fenstern
verwunden.
Nichts ist mehr mit mir verbunden.
Ich bin von allem verlassen. -
Ich bin eine Insel.
DER FREMDE:
Und ich bin über das Meer gekommen.
DIE BLINDE:
Wie? Auf die Insel?... Hergekommen?
DER FREMDE:
Ich bin noch im Kahne.
Ich habe ihn leise angelegt -
an dich. Er ist bewegt:
seine Fahne weht landein.
DIE BLINDE:
Ich bin eine Insel und allein.
Ich bin reich. -
Zuerst, als die alten Wege noch waren
in meinen Nerven, ausgefahren
von vielem Gebrauch:
da litt ich auch.
Alles ging mir aus dem Herzen fort,
ich wußte erst nicht wohin;
aber dann fand ich sie alle dort,
alle Gefühle, das, was ich bin,
stand versammelt und drängte und schrie
an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten.
Alle meine verführten Gefühle...
Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen,
aber ich weiß von den Wochen,
da sie alle zurückkamen gebrochen
und niemanden erkannten.
Dann wuchs der Weg zu den Augen zu.
Ich weiß ihn nicht mehr.
Jetzt geht alles in mir umher,
sicher und sorglos; wie Genesende
gehn die Gefühle, genießend das Gehn,
durch meines Leibes dunkles Haus.
Einige sind Lesende
über Erinnerungen;
aber die jungen
sehn alle hinaus.
Denn wo sie hintreten an meinen Rand,
ist mein Gewand von Glas.
Meine Stirne sieht, meine Hand las
Gedichte in anderen Händen.
Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt,
meine Stimme nimmt jeder Vogel mit
aus den täglichen Wänden.
Ich muß nichts mehr entbehren jetzt,
alle Farben sind übersetzt
in Geräusch und Geruch.
Und sie klingen unendlich schön
als Töne.
Was soll mir ein Buch?
In den Bäumen blättert der Wind;
und ich weiß, was dorten für Worte sind,
und wiederhole sie manchmal leis.
Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht,
findet meine Augen nicht.....
DER FREMDE leise:
Ich weiß.
Ich mache meinen Frieden mit dir, Mensch
Der du Produkt bist eines Zweiten
Ich mache meinen Frieden mit dir
der du atmend unter blauen Himmel
den Himmel nicht siehst und den Atem nicht spürst
Der du dem Impuls nicht folgst
Der aus deinem Inneren kommt
Weil du nicht darfst und weil du nicht sollst
Wie lange noch...
warten wir ein Leben unter fremder Sonne
Das wir nie uns selber werden
Und warten und warten - den Tod?
Wir harren und fremd erscheint es mir
Sie sagen ich wär es, die stört
Und ich stör so gerne
Was ich soll und muss
Und die Etiketten
Und deine Konzepte über richtig und falsch
Und stell alle auf den Kopf
Weil ich nicht warten will eh ich sterb
Sterb ich doch jeden Tag
Aber nicht hinweg, nur zu mir hin
Mich hat die Liebe getroffen, erreicht
Ich liege aufgeweicht in einem Tränenmeer
Es flutet mich
Und ich lass alles hinein
Es gibt keinen Halt, kein Verstecken und keine Vermeidung
Alles ist offen
Und alles kommt hinein
Und wogt weich und warm
In meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele
Bis es mein Herz erreicht
Und sich darauf legt und zur Ruhe kommt
Wie ein anschmiegsamer Hund der die Nähe sucht
...
mich hat die Liebe erreicht
meine Schalte ist aufgeweicht
sie dringt in alles ein
und bleibt mit mir allein
sie ist teil meines Daseins
und ich habe sie willkommen geheißen