Freitag, 22. April 2022

mein Tod klopft an

er steht schon vor der Tür

ich schieb ihn weg und schau ihn nicht an

und er wartet geduldig

ob ich mit ihm Freundschaft schließe oder nicht

nimmt er mich mit


die Menschen in der Stadt leben wie immer

und ich bin schon zwischen den Welten so sehr


ist es Glück? ist es Entlastung das Gott mich heim nimmt?


es ist früh. Sehr früh.


ich plane nicht mehr mein Leben für lange Zeit

ich rechne nicht mehr mit dem alt werden

ich plane keine Familie zu gründen oder eine Partnerschaft

ich plane kein Studium oder einen neuen Beruf

ich plane nicht einmal mehr wirklich einen Umzug


ich mache keine Chemotherapie mehr

ich leide an unzähligen Zivilisationskrankheiten

die andere nicht merken

aber mein Körper und mein Nervensystem sind so fein

das sie leiden und alle spüren was geschieht im kollektiven Feld

ich leide kurz gesagt an Stress - chronifiziert


mein Geist und meine Seele finden die Heimat nicht hier

wir kennen eine andere Welt

sie ist weich und leicht und frei


ich lebe in den Tod hinein

jeden Tag

wie den letzten

nocheinmal Sonne auf der Haut genießen

ein Tier streicheln

jemandem ein Lächeln schenken


vielleicht nocheinmal das Meer sehen

meditieren


Gott entscheidet mich


ich möchte dann in buddhistisches Kloster gehen

oder etwas das mit auf diese Weise begleiten kann

das Sterben ist immer ein Prozess

der Buddhismus nimmt ihn an


es ist früh. Sehr früh.


aber meine Seele wusste es irgendwie.

ich konnte kaum mehr planen

hatte keine echten persönlichen Ziele mehr

nur etwas Gutes zu hinterlassen, die Welt ein bisschen besser zu machen


dem Tod (an)vertraut war ich aber schon lange

die Einsamkeit der Kindheit webte hinein

ich war dem Winde nahe und der Erde

dem Himmel so nahe

und auch dem Herzen 

den Tieren


den Menschen eher weniger

zu früh verlor ich meine Geliebten


die Jugend war so qualvoll das ich den Tod bat mich zu holen

und den Versuch wagte zu ihm zu kommen


zweimal mal noch danach war die Entscheidung tatsächlich gefallen

weil mein Leben nicht mehr aushaltbar war

alles war dunkel und verzweifelt in mir

es gab kein Licht und keinen Sinn

und das Unhaushaltbare wurde so groß 


heute weiss ich; der Suizid ist keine Entscheidung

der Mensch tut dies aufgrund aushaltbaren seelisches Leides

er tut dies nicht wirklich denn der Körper tut alles um am Leben zu bleiben

es ist keine Tat für die man eine bewusste Entscheidung trifft

es ist die Verzweiflung die die Tat tut


ich frage mich oft; wo ist Gott dann? Ist dann Gott nicht bei den Menschen?


oder sieht Gott alles und weiss; ja es ist Zeit. es ist okay


aber warum geht kein Aufschrei durch alle Menschen, jedesmal

wenn einer aus eigener Hand stirbt oder auch nur daran denkt

etwas zu tun damit das Leben für alle lebenswerter wird?

und das daran alles erdenkliche gesetzt wird!!!



der Tod ist nicht was wir denken


er ist kein Ende

eher ein Anfang

das Tor der Wahrheit

durch das wir alle gehen


vielleicht ist das Leben

neben all der Freude, Freundschaft und Liebe und dem Lachen 

und der ewigen Suche nach dem Glück

eher das Große Ganze

das alles bedeutet


weisst du was ich meine?


auch der Tod ist Leben

der Tod ist in der Umarmung des Lebens


schau dir den Herbst an

den Winter

den Frühling


wo ist der Tod?


Vergänglichkeit ist ein Zyklus


wie Galaxien entstehen und vergehen

immer


Leben als Mensch ist eine Vorbereitung

auf das was danach kommt


Leben auf der Erde ist wie ein Lehrgang für die Seele


om mani padme hum




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