Wo des Schierlings weiße Kronen
Giftgesalbte ohne Zucht
Wuchernd herrschen gleich den Drohnen
Auf dem Boden fremder Frucht
Steht die Seherin im schwanken
Irren Licht der Nebelzeit
Festgehalten von den Ranken
Von dem Dorn der Ewigkeit
Noch lebt sie in Finsternissen
Mit verdorrtem, taubem Mund
Fiebernd, wie nach Otterbissen
Glüht das Auge hell und wund
Ringsum schweigen Wald und Gräber
Starre Eichen ragen stumm
Im Moraste wühlt der Eber
Geht des Elchs Gehörne um
Wolfsbrut schläft im tiefen Schatten
Und es schreit der schwarze Schwan
Unten kreisen Wasserratten
Oben zieht des Adlers Bahn
Da von ferne tönt das hohe
Horn der Windsbraut, kläfft ihr Hund
Welkes Laub, die gelbe Lohe
Züngelt auf dem Modergrund
Mit geschärften Sinnen wittert
Jäh erwacht die Seherin
Wie die Füchsin jagdlich zittert
Auf der frischen Fährte hin
Nimmt sie in dem starken Rufe
Die verlornen Spuren wahr
Riesenschritte, harte Hufe
Totentroß und Rabenpaar
Und das alte, runde Zeichen
Brennt sie mit dem Feuermal
Donnernd rollen Räderspeichen
Aus der Götter reichem Saal
Dem Gehör, dem blinden Sehen
Liegt der Ursprung jetzt entblößt
Wo der Erde schnelles Drehen
Keim und Zelle aus sich stößt
Schwindel packt, als wenn sie schwimme
Sie gleich dunklem Holz im Strom
Vor dem Schwellen ihrer Stimme
Flieht ins Erz der feige Gnom
Stockt der Bärin Schlag und Tatze
Hält der Hirsch im edlen Sprung
Und der Alben graue Fratze
Lächelt wieder schön und jung
Schwer, so klirrt im Reim die Sprache
Hartgepanzert lebt das Wort
Senkt die Sage in das Brache
Späten Völkern goldner Hort
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