Dienstag, 29. September 2009

In der Schule

Ich habe meine Klasse verloren. Wieder einmal.

Traumverloren sitze ich in der Aula und wundere mich nur kurz
dass dort Tische ganz wie in einem Klassenzimmer aufgestellt wurden.

Dann höre ich Lärm.
Jugendliche rennen kreischend die Treppen in die Aula hinunter.

Erst nach einigen Minuten erkenne ich dass dies meine Klasse ist.
Ich setze mich neben meine Freundin. Sie scheint nicht bemerkt zu haben
dass ich schon den halben Tag nicht mehr da gewesen bin.

Jetzt verteilt die Lehrerin Blätter.
Ich bekomme Angst... wieder hab ich etwas nicht verstanden...
wieder war ich nicht da.

Was ist hier los?
Würde ich fragen würden sie wieder lachen.
In mir schreit es.


Ich bleibe stumm und benehme mich als sei alles selbstverständlich.

Erst nach und nach bekomme ich mit dass wir heute die Mathematikprüfung schreiben.

Panik.... dann kehrt Ruhe ein.
Ich fühle mich weit weg. Erlebe alles durch Nebel. Bin wie in Watte gepackt.
Erlebe mich nicht selbst. Bin aus dem Körper getreten in die Beobachterposition.

Ich denke an Suizid.
Fühle mich mutterseelen allein.
Und unendlich fremd.

Meine Freundinn (das Mathe-Genie) macht sich zielstrebig an die Lösung er Aufgaben.

Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf.
Ich kann mich nicht auf das "wesentliche" konzentrieren.

Ich beobachte die Lehrerin und frage mich was sie wohl für ein Mensch ist
und wie man Mathe lieben kann. Sie wirkt kühl auf mich.
Aber alle wirken so verschworen.... gegen mich.

Alle wissen etwas dass ich nicht weiss.

Aufgabe 2a).

Zahlen Zahlen und nochmals Zahlen.

Ich hab nichts gelernt. Ich lerne nie. Ich weiss nicht wie lernen geht.

Ich hoffe immer nur auf Glück.
Niemand weiss davon dass ich nie lerne.

Ich fühle wie meine Freundin mich streift.
Höre das angenehme knistern als jemand Papier knüllt.
Und fühle die gespannte Stille über allem.

Mir fällt ein Gedanke in den Kopf "Ich bin viel zu sinnlich"

Nein... oder?

Ich will anfangen die Aufgaben zu lösen.
Ich weiss wie es geht.
Aber ich habe immer andere Lösungswege die mir mehr Sinn machen.

Nach den ersten 3 Aufgaben falle ich wieder in eine andere Welt.
Innen bin ich unruhig... es ist Folter.

Ich kann nicht... Ich fühle Druck.
Ich will nicht können.

Es soll aufhören!

Ich will schreien!!!
Ich will mich verletzen.

Warum muss ich das tun?
Es ist so sinnlos.
Die Zahlen verschwimmen in Grau.

Ich will näher an das Leben heran, nicht mich davon distanzieren.
Ich will Leben erkunden, nicht absitzen.

Es ist furchtbar.

Traurig lege ich mich auf das Papier und betrachte fasziniert wie
unter meinen Händen etwas entsteht.

Ich gerate wieder woandershin und falle aus der Zeit.

Irgendwann komm ich wieder zu mir...
Auf meinem Blatt stehen Gedichte.
Ich hab gemalt.

Glücklich lese ich sie wieder und wieder.

Ich bin anders...

Und warte nur darauf nicht mehr in die Schule zu müssen.

Ich hab beschlossen so zu leben wie ich es möchte und es mir gut tut.
Selbst wenn die anderen mich nicht verstehen können oder wollen
und ich auf Dauer einsam bin.

Ich hab ein Recht auf ein eigenes Leben!!!

Man kann nicht alle Menschen gleich machen.

Ich bin ich und das ist gut so.
Aber dass es schwer ist verschweige ich nicht
und auch der Suizid ist mir ein naher Freund.

Gysi über Alice Weidel

  Kognitive Dissonanz oder besonderer Humor 😂