Mittwoch, 17. Februar 2021

Vom Überleben zum Leben: Trauma heilen

 https://www.gesundheitszentrum-goe.de/interna-media/Vom%20%C3%9Cberleben%20zum%20Leben-%20Trauma%20Vortrag%20Kibis%20Nadja%20Lehmann.pdf?fbclid=IwAR15r9MUkECUJN_ik39N3dGwzIfxIRlj2-636-ImuTV3_fLPzsLpbQtPNEI


Vom Überleben zum Leben:
Trauma heilen(PDF)
Ein Trauma ist
ein gewaltvolles oder überwältigendes Ereignis, durch
das die Bewältigungsstrategien eines Menschen
überfordert werden.
Meist geht dieses Ereignis mit einer (Lebens-)Bedrohung
einher. Typisch: das ausgeprägte und nahezu
unerträgliche Erleben von Ohnmacht, Hilflosigkeit und
Ausgeliefertsein.
Die normalen Reaktionen von Kampf oder Flucht sind bei
einem Trauma unmöglich.
Traumatypen
Monotrauma
 Bindungstraumatisierung/Entwicklungstrauma/
Langanhaltende Traumatisierung
 Sekundärtraumatisierung (Betrifft Helfer an
Unfallstellen oder Katastrophengebieten oder auch
Psychotherapeuten und andere Zeugen eines
traumatischen Ereignisses)
 Generationsübergreifendes Trauma (ein Krieg hat eine
generationsübergreifende Wirkung aber auch eine
Vergewaltigung und andere Formen von Gewalt)
 Soziales Trauma (darunter versteht man traumatische
Ereignisse, die ganze Volksgruppen betreffen)
Traumareaktionen: Posttraumatisches Wachstum
60 - 80 % der Menschen
Posttraumatisches Wachstum: (Psychologe Richard G. Tedeschi)
 Intensivierung der Wertschätzung des Lebens: Der durch das traumatische Erlebnis ausgelöste Reifungsprozess führt zu einer Veränderung der Prioritäten. Die Bedeutung der kleinen, alltäglichen Dinge nimmt zu. Materielle Dinge verlieren an Wert, persönliche Beziehungen gewinnen an Wert.
 Intensivierung der persönlichen Beziehungen: Das traumatische Ereignis hat einen Teil der alten Beziehungen zerstört. Die überlebenden Beziehungen („in der Not erkennt man
die wahren Freunde“) werden intensiviert. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit zur Empathie zu. Traumabetroffene Personen empfinden ein erhöhtes Mitgefühl mit anderen, vor allem mit notleidenden Menschen.
 Bewusstwerdung der eigenen Stärken: Gerade durch das Bewusstwerden der eigenen Verletzlichkeit wächst auch das Gefühl der inneren Stärke. Man weiß nun, dass zwar die Sicherheit im Leben jederzeit angreifbar ist, aber auch, dass man die Folgen schlimmer Ereignisse meistern kann.
 Entdeckung von neuen Möglichkeiten im Leben: Nachdem alte Ziele zerbrochen bzw. entwertet wurden, sucht man nun nach neuen Zielen und Aufgaben. Dies kann mit einem
Berufswechsel oder mit intensivem sozialen Engagement verbunden sein.
 Intensivierung des spirituellen Bewusstseins: Das durch das traumatische Ereignis herbeigeführte Grenzerlebnis wirft existenzielle Fragen auf. Die daraus resultierenden
Reflexionen über den Lebenssinn und / oder über Gott können zu einer größeren spirituellen Erkenntnis und zu größerer inneren Zufriedenheit führen.
Traumareaktionen:
Posttraumatische Belastungsstörung
 Anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis oder das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks, Träumen oder Albträumen) oder eine innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder damit in Zusammenhang stehen
 Der Betroffene vermeidet (tatsächlich oder möglichst) Umstände, die der Belastung ähneln.
 Mindestens eines der folgenden Kriterien (1. oder 2.) ist erfüllt:
 eine teilweise oder vollständige Unfähigkeit, sich an einige wichtige Aspekte des belastenden Erlebnisses zu erinnern; oder
 anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung, wobei mindestens zwei der folgenden Merkmale erfüllt sein müssen:
 Ein- und Durchschlafstörungen
 erhöhte Schreckhaftigkeit
 Hypervigilanz
 Konzentrationsschwierigkeiten
 Reizbarkeit und Wutausbrüche
 Die Symptome müssen innerhalb von sechs Monaten nach dem belastenden Ereignis (oder der Belastungsperiode) aufgetreten sein.
 Häufig sind zudem sozialer Rückzug, ein Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen sowie eine Beeinträchtigung der Stimmung.
 Nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf, ist eine Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
Resilienz bei Trauma Kind/Erwachsener
Vulnerabilitätsfaktoren
- Prä-, peri und postnatale Faktoren (z. B. Frühgeburt
(...))
- Genetische Faktoren (z. B. Chromosomenanomalien)
(...)
- Chronische Erkrankungen (z. B. Asthma (...))
- Schwierige Temperamentsmerkmale (...))
- Unsichere Bindungsorganisation
- Geringe kognitive Fertigkeiten (...))
- Geringe Fähigkeiten zur Selbstregulation von
Anspannung und Entspannung
Risikofaktoren
- Niedriger sozio ökonomischer Status, chronische
Armut(...))
- Psychische Erkrankungen eines bzw. beider Elternteile
(...)
- Niedriges Bildungsniveau der Eltern
- (...) alleinerziehender Elternteil
- Erziehungsdefizite/ungünstige Erziehungspraktiken der
Eltern
- Sehr junge Elternschaft (vor dem 18. Lebensjahr) (...)
- Häufige Umzüge (...)
- Vorherige traumatische Erlebnisse
- Nicht-Anerkennung des Traumas, Verleugnung durch
das soziale Umfeld
Personale Ressourcen
 Positives Temperament
 Erstgeborenes Kind
 Kognitive Fähigkeiten
 Positive Selbstwahrnehmung
 Selbstwirksamkeitserwartungen
 Soziale Kompetenzen
 Aktive Bewältigungsstrategien
 Kreativität und Phantasie
Familiäre Ressourcen
 Stabile Bindung zu mindestens einer
Bezugsperson
 Emotional warmes aber auch klar
strukturiertes Erziehungsverhalten
(autoritativer Erziehungsstiel)
 Positive Beziehungen zu Geschwistern
 Merkmale der Eltern
Soziale Ressourcen
 Soziale Unterstützung
 Qualität der Bildungsinstitution, des
Arbeitsplatzes
 Anerkennung des Traumas
Psychotherapeutische Behandlung:
 Imaginative Verfahren, z.B. Psychodynamisch Imaginative
Traumatherapie, Ego-State-Therapie, TRIMB (Trauma Recapitulation
with Imagination Motion and Breath)
 Verhaltenstherapie: Exposition und kognitive Umstrukturierung
 Narrative Verfahren, z.B. Narrative Expositionstherapie
 EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Bilaterale
Stimulation
 Psychoanalytische Verfahren
 Gestalttherapie
 Debriefing („immer wieder erzählen“)
 Körpertherapeutische Verfahren, z.B. TRE-Übungen („Zittern“) oder
Somatic Experiencing (ein trauma- und körperorientiertes
Behandlungsmodell)
 Kreative Therapieverfahren, z. B. Kunsttherapie, Tanztherapie,
Ergotherapie, tiergestützte Therapie
 Mehrgenerationale Psychotraumatologie

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