Montag, 1. August 2011

ich hatte nicht das gefühl
nicht die leiseste idee
das es jemanden geben könnte
den es interessiert
wie es mir geht.

ich war nicht nur einsam
in meiner familie
ich war einsam
in meinem selbst.

ich war isoliert.
entfremdet.

ihre gewalt
die ich nicht merken sollte
meine wut
die ich nicht leben durfte
denn ich musste
und als kind wollte ich
sie lieben.

man kann nicht einsamer sein.

es gibt viele schreckliche dinge
auf der welt.

den krieg zum beispiel.
doch der krieg ist kollektiv
als etwas schreckliches anerkannt.
und kriege erleben völker und rassen.
gemeinsam.

wem hätte ich mich anvertrauen können?

in meiner verzweiflung ließ
ich mich auf viele fremde menschen ein.

ich hatte keine grenzen.
ich hatte sie nie kennengelernt.

und viele männer nutzten das aus.

und ich wurde noch einsamer.

dennoch klammert ich mich
an diese kontakte. sie bedeuteten
mir viel. das waren die ersten menschen
die mir sagten wie sie mich erlebten.

einer sah mich ganz erschreckt an.
was wurde denn mit dir gemacht?

und ich hatte fast etwas wie hoffnung,

doch dann erzählte er mir seine
sexuellen phantasien die er sich
mit mir vorstellte.

ich vergrub mich in musik und lyrik.
das gedichte schreiben half mir überleben.

und etwa 6 jahre war ich "nicht da".

ich fühlte mich nicht.
ich war wie im nebel.
immer müde.

ich wurde erfolgreich zum schweigen erzogen.

in der schule schlief ich oder schrieb gedichte.
ich konnte mich nicht konzentrieren.

ich war ganz weit weg,
unerreichbar.

in der pause schloss ich mich im kloh ein.

dann kam mein waschzwang.

ich begann die schule zu schwänzen.

irgendwann dann begann ich mich zu schneiden.


es ist verrückt.
aber ich kam nie auf die idee
dass ich opfer von gewalt sei.
das ich seelisch schlimm krank sei.

nein.
ich dachte dass etwas mit mir nicht stimme.
das ich komisch sei.

in der schule und zuhause
bekam ich das viele jahre lang gesagt.

als ich zum ersten mal in therapie war.
damals war ich bereits 17 und von zuhause
ausgezogen meinte meine therapeutin
das mir ja ganz schlimme dinge passiert seien.
das meine eltern mich furchtbar behandelt hätten.

sofort nahm ich meine eltern in schutz.

in diesem geschlossenen system "familie"
wär ich beinah ums leben gekommen.

und doch;
ich kann die grausamkeit nicht fühlen.

ich umarme meine eltern wenn ich sie sehe.

als wär nie etwas gewesen ...


ich bin schizophren. ich bin borderline.

ich bin zerissen....


ich kann die seiten nicht integrieren.

ich kann sie nur umarmen wenn ich verdränge.

und ich hab gelernt mich in sie einzufühlen.
sie zu verstehen.
ihnen zu verzeihen.

dabei hab ich mich vergessen.

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