Sonntag, 7. November 2021

über Borderline

Ich glaube inzwischen das "Borderline"(-Verhalten) durch ein ständiges bedroht fühlen erklärbar ist. 

Die Betroffenen fühlen sich wie permanent im Krieg.
Im Kampf um sich selbst und um ihre Beziehungen mit der gleichzeitigen Angst sich aufzulösen (durch Nähe) oder durch verlassen-werden (auch triggerbar durch nur den Raum verlassen, in den Urlaub zu gehen, mit Freuden etwas zu unternehmen...) zu sterben.

Durch das Erleben einer solch extremen Unsicherheit in und mit sich selbst und der Welt
ist die einzige Strategie die bleibt unbewusst in schwarz und weiß einzuteilen und zu idealisieren und abzuwerten (sich selbst und andere). 
Es ist wie ein kindlicher Versuch so die Welt zu verstehen.
Es ist keine böse Absicht. Es ist eher ein verzweifelter Versuch zu verstehen und sich selbst Sicherheit zu geben.

Das alles spricht für die offenbar schwer traumatisierenden Erfahrungen der Betroffenen.
Ihre erlebte Kindheit ist quasi abzulesen am erschütterten oder nie wirklich stabil gewordenen Selbstbild, der fehlenden Objektkonstanz und dem bedrohlichen Allein-gelassen-sein in jungen Jahren mit Todesangst.

Mit viel Training (Selbstregulation (auch Neurofeedback) und Techniken aus der Traumatherapie und Körpertherapie) und vorallem langjähriger echter empathischer Begleitung und stabilen Bezugspersonen ist Borderline heilbar. Borderline ist für mich vorallem ein Bindungstrauma. Also ein Trauma ausgelöst durch die ersten Bezugspersonen.

Durch das Erleben von stabilen Bindungen die auch tragfähig sind
kann der Betroffene (und auch wenn es Jahre dauert) lernen was Beziehung wirklich sein kann. Mit sich selbst und anderen.
Es entsteht zunehmend das Gefühl von Sicherheit in und mit sich selbst und auch mit Menschen. 
Unterstützend kann alles wirken dass das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit fördert (bspw Kampfsport. Umgang mit Wut und Grenzen). 
Die Natur erleben (mit allen Sinnen) um einen Ort zu erfahren der nicht wertet und komplett sein lässt wie man gerade ist. Auch die Tierwelt kann unterstützend wirken. 
Vielleicht kann so wieder Vertrauen in ein lebendiges äußeres gelernt werden.

Und nicht zuletzt ist Psychoeduaktion wesentlich.
Das Bewusstsein und Wissen über sich selbst kann erheblich erleichtern und Veränderungen erst möglich machen. Ich denke da vorallem an das neue Wissen aus dem Bereich Traumatherapie bzgl Entwicklungstrauma und den Folgen, das sich stetig weiter entwickelt und neue Kenntnisse dazu gewinnt.

Auch Selbsthilfegruppen (virtuell oder real) können unterstützend wirken
und das Gefühl nehmen allein damit zu sein.

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